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Friedrich Nietzsche hat recht: „Ein Gärtchen, Feigen, kleiner Käse und dazu drei oder vier gute Freunde – das war die Üppigkeit Epikurs“. Epikur selbst hatte schon darauf bestanden: „Nicht Trinkgelage und Festumzüge, nicht der Genuß von Knaben und Mädchen, von Fischen und allem, was ein aufwendiger Tisch bietet, erzeugt das lustvolle Leben, sondern nüchterner Verstand„.

Epikurs Weg zum Glück führt nicht über sinnlose Maximierung von Lust, sondern bedient sich der Vernunft und orientiert sich an Maß und Grenze. Epikur verlangt Askese, meint damit aber nicht radikalen Verzicht, sondern kluges Abwägen. Askese als Übung im Reduzieren der Bedürfnisse und als kalkuliertes Tauschgeschäft: Verzicht ist geboten, wenn negative Folgen den Lustgewinn schmälern. Auch des Guten kann es zuviel geben. Epikur als Philosoph des Maßes, der einem Leben ohne Grenzen Grenzen setzen will – dies paßt zu neueren Entwicklungen. Was vor einiger Zeit noch verpönt war, wird zunehmend als Erkenntnis ernst genommen: Freiheit muß nicht grenzenlos sein.

Nicht bloße Kenntnis philosophischer Lehre und nicht philosophischer Diskurs zeichnen den epikureischen Philosophen aus, sondern die Fähigkeit, die gelernte Dogmatik in jeder möglichen Situation zur Maxime praktischen Handelns werden zu lassen.

Moderne Hedonisten sollten sich von Epikur belehren lassen: Skeptische Distanz zu den Bedürfnissen, die sich aus Werbung, Mode und Prestige speisen – eine aufgeklärte Lebenshaltung eben – sie bedingt den Genuß. Grenze, Maß und Reduktion sind Konditionen jener Seelenruhe, die Epikur vorlebte. Epikurs steht also nicht für den Lebenskünstler, sondern für den Lehrer einer Lebenskunst, die reflektierte Lust mit aufgeklärter Kenntnis der Welt zu verbinden weiß. Es scheint paradox: Epikurs Nützlichkeitsdenken fordert eine Hinwendung zum Mitmenschen und fördert die gesellschaftliche Entwicklung.

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