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Religion ist ein Schlüssel, wenn man den Umgang mit den diversen Spionagevorwürfen (NSA etc. etc.) verstehen möchte. Sehen wir uns einmal exemplarisch 3 Protagonisten auf der politischen Bühne an. Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Katrin Göring-Eckardt, Ex-Präses der Synode der EKD und Parteivorsitzende bei Bündnis90/Die Grünen.

Alle drei kommen aus der DDR. Überwachung war damals selbstverständlich. Gelernt wurde, Nischen zu entdecken und sie für eine Privatheit, ein etwas ungezwungeneres Leben zu nutzen. Freiheit ist somit für sie zu einem besonderen Begriff geworden. Vormals drängend, heutzutage z.B. durch den Bundespräsidenten gerne und oft Gebetsmühlenartig im Munde geführt. Die innere Not hat sich abgeschliffen. Man ist im Hier und Jetzt angekommen.

Das besondere bei allen dreien (so wie bei den meisten Religiösen) ist ihre innere Verfassung. Gauck als Pastor, Merkel als Pastorentochter, Göring-Eckardt als Synodale – sie transportieren alle das Bild und die Vorstellung eines übergeodneten Prinzips, welches vorschreibt und überwacht. Sie halten es für richtig und unterstützenswert, von einem, wie sie es nennen, Gott ausspioniert zu werden. Es ist ihnen in Fleisch und Blut übergegangen, damit zu leben und dies zu bejahen. Zumal erst die Überwachung die Gründe hervorbringt, um Menschen zu bewerten, zu belohnen oder zu bestrafen. Sie nehmen ihre Legitimation aus der unsichtbaren Welt – unsichtbar wie der BND & Verfassungsschutz. Sie setzen die göttliche Spionage voraus, um in ihrem Überzeugungsjob nicht zu scheitern. Sie sagen: „Der Herr ist mein Hirte…“ und wagen keinen neuen Weg, keinen eigenen Weg. Sie hängen im Netz.

Menschen mit diesem, vor allem religiösen Hintergrund können sich nicht vorstellen, daß man gerne Diskret sein möchte, daß es Orte und Zeiten geben sollte, an und in denen man für sich allein ist – ohne daß irgendeine sogenannte Autorität seinen scheelen Blick und seine lüsternen Ohren in unsere ureigensten Dinge steckt.

So wird die Bewertung der Übergriffe ausländischer und inländischer Geheimdienste für sie zum Eiertanz. Das Offenlegen ihres Lebens vor einer unsichtbaren Überinstanz ist dem gleich. Und das wird dem Pöbel eingebleut: ihr habt euch unterzuordnen. Wir wollen alles von euch wissen. Wir sagen, was zu geschehen hat. Wir sind Gott gleich. Das Religiöse und das Politische verschmelzen zu einem Brei, durch das eine Rechtfertigung für Distanzlosigkeit und Überwachung aus sich selbst heraus zu erwachsen scheint.

Nehmt den Theologen die Ewigkeit, nehmt ihnen Belohnung und Bestrafung durch die Unsichtbaren, dann würde man sich das Menschsein neu definieren müssen. Man würde zu Recht sagen: stört meine Kreise nicht. Die Politik würde sich Begründungen für Spionage und Überwachung ausdenken müssen, die plausibler wären, als jetzt. Näher am Menschen. Mehr Freiheit. Mehr Diskretion. Weniger Überheblichkeit und Frechheit. Jeder Mensch hat das Recht, über sich und was er offenbart, selbst zu entscheiden. Und so kommt es, daß der Begriff Freiheit zu einem Geschwurbel bei Festansprachen verkommen ist.

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