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Manchmal werde ich gefragt, wie ich beim Scharren und Picken so schnell herausfinde, was eßbar ist und was nicht. Ich weiß es nicht. Ich vermute, ich lernte es durch genaues Hinschauen. Meine Mithühner pickten mir oft vor: „Mußt einfach genau hingucken!“

Heute hörte ich über die Kreuzigungsszene bei Matthäus 24, 48 „Sogleich lief einer von ihnen hin, tauchte einen Schwamm in Essig, steckte ihn auf einen Stock und gab Jesus zu trinken.“ Da wird er vorher gefoltert und brutal angenagelt, schreit vor Durst und bekommt als weitere Folter Essig. In der christlichen Überlieferung: Der Römer und sein Essigschwamm als „Folter“. Aber: ist es wirklich so? Nein, der römische Besatzer hatte Mitleid. Er gab ihm Essigwasser. Man kennt es von Zitronenwasser, daß es erfrischender ist als pures Wasser und durch den sauren Zusatz haltbarer. Essigwasser war als Erfrischung der Arbeiter in Judäa die Regel.

Wenn man also genau hinschaut, dann erkennt man, wie sehr man sich durch die Geschichtsschreibung genötigt sieht, die Römer als besonders brutal zu erleben. Daß sie aber auch Menschen waren, die Mitgefühl kannten, wird durch solch einen kurzen Satz konterkariert. Wem also nutzt es, wenn ich alles ungeprüft übernehme und so weiter gebe? Mir selbst nicht, da ich im Irrtum verhaftet bin. Ich werde also bei Texten genau das selbe machen wie bei meinen Körnern & Würmern – genau hinschauen.

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