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Wir sitzen gerne etwas höher. Unten das Gewusel der Hühnergeschwister, oben Ruhe und Entspannung. Wir brauchen ab und zu Distanz zum Alltäglichen. Wenn wir zu sehr in eine Sache involviert sind. Oder in mehreres, das uns Zeit und Nerven kostet. Wenn wir im zähen Argumentieren stecken bleiben, uns ständig wiederholen, kein Disput, kein Gespräch mehr sinnvoll zu führen ist. Innehalten um uns zu fragen: wo sind wir gerade? Was ist Sache? Wie geht es mir jetzt?

Wir sitzen und atmen. Im besten Fall haben wir die Gesprächsinhalte nicht vergessen. Hin und her bedenken wir, erwägen, verwerfen, befragen uns selbst in aller Ruhe. Schlimm nämlich ist der Zorn während einer Diskussion, gespeist aus der Überzeugung, der Andere müßte doch unseren Standpunkt verstehen, müßte ihn doch gefälligst übernehmen. Zorn, der trennt, der die Brücke der Annäherung, zerstören kann. Wir können es hinnehmen, wenn Andere darüber gleichermaßen erzürnen; wir sollten es nicht hinnehmen, wenn wir selbst bitter werden.

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Gibt es mal eine Minute des Innehaltens und ich erwäge das Gesprochene, wird mir immer wieder klar, wie viel Informationen mir fehlen, um mir ein angemessenes Urteil zuzugestehen. Andererseits ist mir klar, daß wir heutzutage Informationen in Hülle und Fülle haben. Wir haben auf dem Hof sogar DSL, Glasfaser & Internet. Das würde uns doch in die Lage versetzen, Klarheit in unsere verwirrte Hirne zu bekommen. Aber nein, die Masse an Information macht es nicht. Prof. Kruse hat wohl recht, daß es in diesen Zeiten der informationellen Überfülle nicht auf das Wissen als solches ankommt. Es kommt darauf an, bewerten zu können. Informationen richtig einordenen. Herausfinden was Trash ist, zeitraubend, unwesentlich, zielführend, gelogen oder wahr ist. Im Netz der Aufmerksamkeit heischenden medialen Umwelt den Blick für das Wesentliche erlernen und behalten erfordert starke Wertmaßstäbe und Kraft, sich nicht auf jede Dummheit einzulassen, wie schillernd und geil sie auch sein möge. Dazu sitzen wir gerne etwas weiter vom Hühnerhaufen entfernt. Am Besten hoch in frischer Luft.

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