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Ich höre oft, daß angesichts religiöser Niederträchtigkeiten gesagt wird: „Das ist nicht das wahre Christentum. Das ist nicht der wahre Islam.“ Blödere Ausreden gibt es kaum. Religionen existieren nicht im Vakuum, sind ohne Ausübende nicht denkbar. Der Mensch, der sich im Kontext seiner Religion bewegt und seine Handlungen durch seine Religion begründet, bringt sie in die Welt. So manifestiert ist sie Ausdruck und Wirklichkeit dieser Religion. Insofern ist es falsch, wenn man sagt: „Das ist nicht das wahre Christentum. Das ist nicht der wahre Islam.“

Es gibt sie, die Friedfertigen, die Liebevollen, die sich mit Empathie den Mitmenschen zuwenden. Wenn aus ihrer Reihen der obige Einwand erhoben wird, die eigene Religion sei doch die der Liebe, die des Friedens, haben sie ein gravierendes Problem. Sie machen einen Unterschied, separieren sich von dem Nichtgewolten, lehnen ab, was doch auch recht wesentlich Inhalt der Religionen ist. Man kann einen Apfel in mehrere Schnitze teilen – es ist immer noch Apfel. Auch der Biß in einen faulen Apfel erbringt leider nicht eine angemessene Reaktion: sich seine eigene Religion genau anzuschauen. Eine Überzeugung im Gesamten für sich anzunehmen bedeutet aber, daß man sich dem Gräßlichen, Unmoralischen, Widerwärtigen, Unethischem, Gemeinen und Perversem dieser Religion bewußt wird. Sich dann dennoch zu diesen Abgründen zu bekennen bedeutet, das, was man bei Anderen ablehnt, wiederum gut zu heißen – zumindest zu tolerieren.

Gott hat keine Religion. Gott hat allenfalls als Vertragspartner weitreichende Möglichkeiten, sich und seine Ansichten den Menschen schmackhaft zu machen, Verträge als Exklusivpartner sozusagen, wenn er keine Götter neben sich haben will. Wenn ein damit verbundener Gewinn für die Menschen erstrebenswert ist, unterzeichnen sie diesen Vertrag mit ihrem Blut – und können dann auch nichts anderes neben sich ertragen. Es gilt Nibelungentreue. Pacta sunt servanta. Mit diesem Schritt hat man kein Recht mehr, die Bedingungen des Vertrages zu ändern, nachdem man ihn ganz genau durchgelesen hat, sich der Konsequenzen bewußt wird. Zumal es für den überwiegenden Teil der Menschheit Zwangsverträge sind, die die Eltern zu verantworten und zu erfüllen haben. Kinder sind Opfer, weil sie unmündig diesem Diktat unterworfen sind.

Und sonst? Götter der Weisheit wie Odhinn beispielsweise, werden bekämpft. Wer interessiert sich denn auch für Weisheit und den Weg dorthin?! Göttinnen der Liebe wie Ashera oder Freya, werden abgelehnt. Wer braucht schon Liebe heutzutage, wenn doch das ökonomische Primat das Leben bestimmt. Erdgöttinnen wie Persephone, die das Zusammenklingen der Natur vermitteln, werden auf Monsantos Altar geopfert. Aufklärung hat einen schlechten Geruch, da es nach Auflehnung klingt. Klares, eigenes Denken ist unerwünscht, da es dazu führen könnte, seinen eigenen Weg zu gehen. Und soetwas möchte der Gott nicht. Und soetwas möchte der Religiöse nicht. Inquisition, Folter, Verfolgung, Mord, Lüge, Unterdrückung ist daher immer Teil manch einer Religion. Man sollte nur Mut besitzen, sich etwas Eigenes, meinetwegen auch eine eigene Religion. zu schaffen, mit der man friedlich und offen auf dem Markt der Möglichkeiten Verkaufsgespräche führt. Und man muß den Mut besitzen, zuzugeben, daß man von Wahrheit und Wirklichkeit nicht den leisesten Schimmer hat.

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