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Bin ich als Huhn nicht eigentlich ein Regenwurm, der Flügel hat und fliegen kann? Meine Mithühner behaupten, ich sei ein Huhn und das, egal was ich esse. Ob ich denn nicht mit mir selbst identisch wäre? Ich weiß nicht, nach all den Würmern, die Platz in meinem Körper beanspruchten. Nahrung wandert ja nicht nur durch den Darm und wieder raus. Der Wurm wird doch in mir zu mir – oder, wie gesagt, ich bin ein beflügelter Wurm.

Dies Identitätsproblem wurde schon als Theseus’ Paradoxon beschrieben. Demzufolge wird Theseus’ Holzschiff von den Athenern über längere Zeit aufbewahrt. Nach und nach werden die alten Holzplanken durch gleiche Teile ersetzt. Am Ende stehen das aus gleichen, aber komplett neuen Teilen bestehende Schiff und viele Fragen: Müssen Dinge aus komplett gleicher Materie bestehen, um identisch zu sein? Kann ein Ding über die Zeit dann überhaupt identisch sein? Wenn ich weiß, daß beispielsweise ein Erythrozyt nur 28 Tage existiert – wie oft bin ich schon ausgewechselt worden…?!

Wenn mir gesagt wird. ich sei ein Huhn, dann wohl, weil man mich als Huhn in seiner Eigenschaft als Huhn sieht. Man weiß, was ein Huhn ist, hat eine Idee davon. Möglich, daß ich ganz wesentlich eine sich wandelnde Idee bin, die als Huhn angeschaut wird. Insofern ist es wohl auch nicht falsch zu vermuten, daß das, was man als Seele, manchmal auch als Psyche bezeichnet, nur eine Idee ist. Eine Idee, die sich des Körpers bedient, um einen Namen zu bekommen. „Dich habe ich bei deinem Namen gerufen...“ sagt der Dichter. Denn ohne Namen verliert sich eine Existenz im wahrnehmungslosen Dunst des Beliebigen. Gib einem Etwas einen Namen, gewinnt es an Bedeutung. Bedeutend zu sein heißt, einen Archimedischen Punkt zu haben, von dem man aus das Leben betrachten, bewerten und beleben kann. Und ab und zu ein Ei legen…

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