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Ich picke ein wenig Gedankenverloren durch den Hof, scharre zwischen den Sträuchern, schnappe mir routiniert einen Wurm. Ohne Hektik, ohne das Bedürfnis, viel zu fressen, mehr zu bekommen, noch mehr zu haben. Nein, wie bei jedem Hofgang weiß ich, es ist genug da und unüberlegte Hast ist nicht vonnöten.

Würmer aus der Erde heraus ziehen, weil sie unvorsichtig sind, nicht weil ich sie begehre. Wir haben ausreichend Körner im Stall. Würmern gerade so en passant begegnen. Das scheint mir an einem entscheidenden Punkt auch Jesus‘ Haltung bezüglich der Innenwelt zu sein. Bei Matthäus 5,28 steht, daß er sagte: „Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.“ Die Forderung lautet übersetzt: Schönen, begehrenswerten Frauen gerade so en passant begegnen. Und nicht nur schönen Frauen, nein, allen Frauen. Schön wäre eine Bewertung, die uns aufschauen ließe. Innehalten. Ablenken. Achtlos und unkonzentriert dem gegenüber, was ansonsten wichtig zu sein scheint.

Leben und das Leben betrachten wie in einer Zenmeditation: Wertfrei und ohne gedankliche Einordnung in Kategorien wie Schön, Geil, Muß ich haben. Das wäre Jesus‘ Reines Herz. In dieser anschauenden Betrachtung wird Erfahrenes keine sprachliche Dimension bekommen, sondern in der Stille wahrgenommen und wieder aufgegeben. Losgelassen. Nicht begehrt. Frei von der Bezogenheit auf das eigene Ich sein. Dann ist auch eine Begegnung klarer, unverfälscht, ohne Hierarchie, ohne Hinterlist, ohne den/die Anderen zu übervorteilen, ohne egoistische Habsucht. Jesus spricht in dieser Beziehung nicht von Ehebruch, sondern vom Beziehungsbruch. Von der Kluft, die sich zwischen Menschen auftut. Das ist der unerwünschte Fall: Auch wenn der Andere von den Gedanken nichts weiß, ist die Atmosphäre vergiftet.

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