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Der Hof auf dem ich lebe, liegt in einem Land, das eine recht gute Gesetzgebung sein eigen nennt. Im Vergleich mit anderen Ländern sind z.B. die Rechte der Frauen umfangreich und von hoher Ethik beeinflußt. Ich nenne nur als Beispiel den Art 1 (1) GG: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Und auch der Gleichheitsgrundsatz des Art 3 (1) GG: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ (2) „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Es gibt ausnehmend viele Länder, in denen das völlig egal ist.

Nun gibt es Männer, die sich nicht unter Kontrolle haben und übergriffig werden. Sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Demütigung, Freiheitsberaubung, soziale Ausgrenzung, Beschämung und Ekel sind oft die Folge. Eine sexuelle Nötigung ist jede sexuelle Handlung, zu der eine Person durch Drohungen oder durch Ausnutzen einer hilflosen Lage gezwungen wurde. Dies bedeutet für jede Frau und für jedes Mädchen eine massive Verletzung ihrer Persönlichkeit und körperlichen Unversehrtheit. Ihr wird der Wille einer anderen Person mit Gewalt aufgezwungen – entgegen ihrer Selbstbestimmung. Sie fühlen sich ohnmächtig, hilflos und der Willkür einer anderen Person ausgesetzt. Wenn der Täter bekannt oder gut vertraut ist, bedeutet die Vergewaltigung darüber hinaus einen massiven Vertrauensmißbrauch. Zu recht wird das im Allgemeinen verabscheut und mit Strafe belegt. Bei sexueller Nötigung ist die moralische Empörung groß und verständlich.

Und dann feiern sie Weihnachten.

Es ist seltsam: Es kommt ihnen überhaupt nicht in den Sinn, daß damals etwas geschah, das für ein alleinstehendes Mädchen im vorderen Orient ein verheerendes Ende bedeutet hätte. „Wenn der Vorwurf aber zutrifft, wenn sich keine Beweisstücke für die Unberührtheit des Mädchens beibringen lassen, soll man das Mädchen hinausführen und vor die Tür ihres Vaterhauses bringen. Dann sollen die Männer ihrer Stadt sie steinigen und sie soll sterben; denn sie hat eine Schandtat in Israel begangen, indem sie in ihrem Vaterhaus Unzucht trieb. Du sollst das Böse aus deiner Mitte wegschaffen.“ Dtn 22,20-21. Maria war schwanger, obwohl sie sagte, daß sie keinen Mann erkannt habe.

Wir aber wissen, wer dafür verantwortlich gehalten und gelobpreist wird: der alte Gott aus der Wüste. Nun mag man denken, Zeus habe ja auch als Schwan Leda becict oder als Stier Europa verführt. Man mag insofern denken, daß Götter eben alles machen können und dürfen, was ihnen beliebt. Aber so einfach ist es nicht.

Um genau zu sein: mir geht es nicht darum, ob es überhaupt Götter gibt, es geht um das, was Menschen denken und zulassen. Ein Mensch, der sich eine Göttin oder einen Gott aussucht, seine Vorstellungen und Vorschriften beachtet und gut heißt, hat für sich und seine Mitmenschen eine gehörige Portion Verantwortung. Nicht das, was man Gott zuschreibt, sondern was wirksam ist, was über das akzeptieren göttlicher Moral & Ethik in die Welt gebracht wird. Wenn wir uns bspw. vergegenwärtigen, warum Mein Kampf verboten wurde, ein Buch, das in den Herzen und Hirnen die Saat zum millionenfachen Töten, zu Verfolgung und Zerstörung legte, dann müssen alle Bücher, die Proselyten hervorbringen, nüchtern und kritisch betrachtet werden. In unserem Beispiel nehmen die Menschen es hin, daß jemand ein junges Mädchen seiner Selbstbestimmung beraubt, sie zwingt, wozu sie nicht befragt wurde, geschweige daß sie ihr Einverständnis gegeben hätte. Hätte das der Nachbar getan, dann würden wir zu recht nach angemessener Bestrafung rufen (§ 177 StGB). Weil es aber ein Gott war, der in das Leben dieses Mädchens eingriff – und dann noch mit einer verkaufstechnich ausgesprochen dünnen Begründung – lassen wir es zu. Psychologisch ist das völlig indiskutabel. Man etabliert in einer Hirnhälfte eine moralische Instanz, die freundlich mit den Mitmenschen umgeht, die hilfsbereit ist und sich um die Not anderer kümmert. In der anderen Hirnhälfte ist dieses Implantat, welches vermittels allgewaltiger Gottesvorstellung jenes Gute & Hilfsbereite qua Befehlsgewalt zu überstimmen versucht. Das hat der Mensch nicht verdient.

Ich bin froh, daß Hühner keine Götter haben.

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