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Wir Hühner wissen nicht, wie eine menschliche Welt im einzelnen auszusehen hat, wir verzichten ja darauf, gesellschaftlich-politische Utopien zu formulieren. Obwohl das bitter nötig wäre. Prinzipien oder moralischen Gebote wie zum Beispiel die Gewissens-, Glaubens- und Meinungsfreiheit werden auch heute noch behindert und unterdrückt. Umsomehr bedarf es gerade in unserer Zeit das Einstehen für aufgeklärte und humanistische Ideale.

Epiktet formuliert in etwa so: „Die richtige Entscheidung ist die, sich um die eigenen Dinge zu kümmern, also um die, über die man die Macht hat; das ist die sittliche Grundentscheidung, die jeder Mensch zu treffen hat.“ Man würde das auch vor der eigenen Türe kehren nennen. Oder auch in der Familie, bei der Arbeit ein Vorbild sein. Eben dort handeln und ethisch sichtbar werden, wo wir gerade sind, was wir unmittelbar beeinflussen können.

Anders als bei den Epikuräern, bedeutet das „sich um die eigenen Dinge zu kümmern“ für die Stoa jedoch nicht, sich vom öffentlichen Leben fern zu halten. Der Grieche ist ein Mensch der Gesellschaft. Gesellschaftspolitik gehört also zu seinen eigenen Dingen. Die Entwicklung geht vom Ich zum Du. Dazu gehört auch die Einsicht, daß Gemeinsinn und Zusammenhalt ein bedeutender Wert ist, der wiederum für den Einzelnen Belohnung bereit hält. Altruismus wäre in diesem Sinne nutzbringender, sozialer Egoismus.

Ein Paradigma ist das Brett, das alle vor dem Kopf haben. … Es sind Voraussetzungen, die keiner mehr hinterfragt.“ – Ernst Peter Fischer, Wissenschaftshistoriker

Bei dem Schritt von der guten Einsicht zum besseren Tun verhält es sich wie mit dem Segelboot: Die Einsicht sagt, wohin es gehen soll, wie das Boot im Wasser liegen muß und wie seine Segel gesetzt sein müssen, damit es in die richtige Richtung segelt. Aber segelt es überhaupt? So lange kein Wind bläst, tut sich gar nichts. Und in der Moral ist es genauso: So lange wir nur wissen, was wir tun sollten, stimmt die Richtung, aber es tut sich überhaupt nichts. Erst wenn eine emotionale Kraft anfängt, uns unter seelischen Druck zu setzen, fangen wir an, uns in die richtige Richtung zu bewegen: das Gewissen bewegt uns, wie der Wind das Boot bewegt.

Einsicht kann sich im schöpferischen Denken entwickeln, wenn man sich traut, eigenen Denkwegen zu folgen. Nicht nur der Widerstand der Außenwelt muß überwunden werden, auch Denkverbote der Art So darfst du nicht denken! dürfen nicht störend im Wege sein. Mut ist erforderlich und die Bereitschaft, sich auf Unbekanntes einzulassen.

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