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Wenn uns auf dem Hof etwas interessiert, sind wir sofort da. Rennen, fliegen, gackern und schauen. Dann machen wir, was Hühner eben so machen: picken herum, probieren, ob da etwas eßbar ist. Und wenn uns ein Mithuhn zu sehr auf die Federn rückt, wird es weggepickt. Letztlich aber partizipieren wir alle an dem, was wir zu untersuchen wünschen. Es gibt bei uns keinen Hahn, der unsere Aktivitäten kontrolliert, der uns Körner und Gräser nach Gutdünken zuweist. Der keine Belohnung für angepaßtes Verhalten verspricht. Wir teilen ohne Furcht das, was da ist. Und wir legen sehr schöne Eier.

Ich bedauere Menschen nicht, die sich hinreißen lassen, ohne Not, doch furchtsam, darüber nachzudenken, was Andere wohl von ihnen erwarten; ihr Verhalten danach ausrichten, was möglicherweise ihr Vorgesetzter oder der Überboß möchten. Daß sie nicht beseelt sind von dem Gedanken an das, was sie für richtig erachten, sondern sich dem Damoklesschwert der unausgesprochenen Niedertracht zu beugen. Erschreckend kann es sein, wenn professionelles Handeln im Beruf dadurch konterkariert wird, daß Angst vor Sanktionen und vorauseilender Gehorsam das Ergebnis negativ bestimmt. Aber es geht nicht nur um das technische Ergebnis,sondern um die Geisteshaltung. Furcht und ängstliches Bedenken lassen eine Person schrumpfen. Verengt seinen Horizont, läßt Lösungswege im Nebeldickicht der Unentschlossenheit versanden. So ist der Mensch nicht gedacht.

Wenn uns Hühnern etwas von Interesse begegnet, sind wir offen. Kein Hahn sagt uns, wie wir welches Körnchen nach Hause tragen dürfen. Kein Hahn diktiert uns unsere Gedanken. Kein Hahn schreibt uns vor, wieviel Ecken unsere Eier haben müssen, um marktgerecht zu sein. Nein, unsere Eier sind oval, ganz so, wie es uns beliebt.

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