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Freund ist mir Plato. Noch mehr Freund ist mir Wahrheit.“ sagte Aristoteles.

Würde ich das auch sagen? Ist es nicht schwer, sich in Widerspruch zu des Freundes Meinung zu setzen? Es schwingt bei diesem Gedanken die Sorge um den Verlust der Freundschaft mit. Furcht, sich mit einem so wichtigen Menschen zu überwerfen. Etwas kriecherisch-schleimig-tückisches wird da am Horizont sichtbar. Anpassung um jeden Preis (wobei Anpassung keine Gewähr dafür bietet, die Freundschaft zu erhalten). Nicht jedoch bei Aristoteles. Seine Priorität, die Wahrheit, stellt sich diesen Verlustängsten. Selbstbewußt wird mit dem Freund um das möglicherweise Wahre disputiert, und wenn dem Freund auch etwas an der Freundschaft liegt, wird gestritten und  gekämpft – voller Achtung und Respekt.Und nur so ist Freundschaft denkbar:  In der liebenden Aufmerksamkeit, die man dem Anderen und seinen Worten schenkt, mit dem wachen Auge für Unterschiede. In der Annahme, auch der Andere trüge etwas zur Wahrheitsfindung bei. In dem Wissen, daß der Freund in allen Fällen ein erwünschter Lehrer ist, bei dem das Gemeinsame den höchsten Rang hat.

Nun, ich denke, es gehen Glaube und Wahrheit nicht zusammen, haben nichts miteinander zu tun. Glaube kommt von Geloben, sich verloben, sich an eine Sache binden. Sich zu etwas zu bekennen bedeutet nicht, daß es wahr ist. Es bedeutet beispielsweise, daß man zu der Frau hält, mit der man sich verlobte. Zu ihr steht und all den Bedingungen, denen man Treue schwor, die zu unterstützen man gelobte. Es könnte der eigene Untergang sein, als Konsequenz eines undurchdacheten Eides. Aber sich dazu entschließen, darauf seine Existenz zu stellen, wie Heisenberg sagte, erfordert Mut, Entschlußkraft und Ausdauer. Tugenden, die allein schon der Ausübung wegen nicht hoch genug einzuschätzen sind. Treue als tägliche Meditation mit dem Subjekt der Liebe; dies hat etwas spirituelles, was über den Menschen hinaus ragt.

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