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Manchmal sitze ich in der Nähe und höre zu. Sie haben sich zusammengefunden und miteinander eine recht gute Zeit verbracht. Fragt der Eine: „…bist du zufrieden?“ Antwortet ein Anderer: „Ich bin zufrieden.“ Geredet wird von Zufriedenheit als wichtiger Wert der Gesellschaft, wobei ihm das Leben eine so hohe Dichte schafft, daß kaum Zeit zum Finden von Zufriedenheit bleibt.

Bei einer solch hohen Dichte des Lebens (welche zumal auch schöpferisch sein kann) ist es ratsam, sich zeitlich und örtlich zu absentieren, einen Raum zu finden, an und in dem man Abstand gewinnen kann. Das kann eine Waldlichtung, ein Tempel, eine Kneipe oder eine angehaltene Aufzugskabine sein. Ein Raum, in dem man das, was ich unter Zufriedenheit verstehe, üben kann. Es ist ein Zum Frieden kommen. Wir kommen zusammen – in Frieden. Wir, das sind alle, die sich ungeachtet der unterschiedlichen Überzeugungen, Werte und Vorstellungen die Mühe machen, miteinander Zeit zu verbringen. Die Vorbehalte und Vorurteile mitbringen, Differenzen in der Umsetzung ihrer Ideen haben, aber wach und stark genug sind, Anderes in Augenschein zu nehmen. Und dieses Zusammentreffen ist auch nur deshalb möglich, weil wir uns gegenseitig des Friedens versichern. Wir haben den Frieden sozusagen im Gepäck. Diese Art Friede ist im Grunde nur eine temporäre Angelegenheit. So ist auch jede Begegnung nur eine temporäre Angelegenheit. Es ist ein täglicher Schritt nach dem anderen.

Sie sprechen von Disziplin und Konsequenz, von Spannung und Versagensangst. Die Arbeitswelt ist voll davon. Friede aber ist Entspannung, Gelassenheit, Angstfreiheit, Leichtigkeit der Gedanken und des Lebens.

Eine Regel, die von Fürst Naoshige hinterlassen wurde, liest sich so: “ Dinge von großer Bedeutung sollten gelassen angegangen werden.“ Große Bedeutung hat zum Beispiel der Weltfrieden. Ein weiter Weg. Eben ein Weg. Aber als Ziel? „Nicht zu erreichen ist er, junger Skywalker“ würde Yoda sagen. Das Ziel vor Augen trägt immer die Verunmöglichung des Erreichens in sich. Der Gedankliche Schritt in das Zukünftige entfernt vom Tatsächlichen in ein Ungefähres. Es nimmt die Aufmerksamkeit in Beschlag und korrumpiert die jetzige Arbeit, die der Grundstein für das Gebäude sein soll. Gedankliche Anwesenheit im Nebulösen heißt abschweifende Abwesenheit im Notwendigen. Insofern ist Fürst Naoshiges Rat zur Gelassenheit annehmbar.

Ittei sagt zu dieser Regel: „Dinge von geringer Bedeutung sollten ernsthaft angegangen werden.“ Wenn es ein Weg ist, wenn es ein Bau ist, der Stein für Stein errichtet wird, dann ist es angemessen, sich jeden Wortes zu versichern, jedes Handschlags. Soll die Wand nicht schief werden, ist stets ein geübter, prüfender Blick erforderlich. Man kann insofern des Schrittes geringe Bedeutung in Bezug auf den nächsten Schritt nie als zu gering ansehen. Wer aus großer Höhe abstürzt, weil er einen unbedachten Schritt machte, weiß das. Soll ein Gespräch friedvoll sein und fruchtbringend, ist Achtsamkeit der Worte und des Blickes entscheidend. Es gibt keinen Weltfrieden. Das friedliche Beisammensein, das einträchtige Kneipengespräch, die innige Arbeit im Tempel: sie sind dann wahr, sind der Weltfriede. Weltfriede in dem Sinne, daß sich die gesammte wahrgenommene und eingebildete Welt im Jetzt befindet, Das nur zählt und ist wirklich.

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