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In seiner Anthropologie in pragmatischer Hinsicht schrieb Immanuel Kant: „Sich selbst unmündig zu machen … ist doch sehr bequem und natürlicherweise kann es nicht an Häuptern fehlen, die diese Lenksamkeit des großen Haufens (weil er von selbst sich schwerlich vereinigt) zu benutzen, und die Gefahr, sich ohne Leitung eines anderen, seines eigenen Verstandes zu bedienen, als sehr groß, ja als tödlich vorzustellen wissen werden. Staatsoberhäupter nennen sich Landesväter, weil sie es besser als ihre Untertanen verstehen, wie diese glücklich zu machen sind; das Volk aber ist, seines eigenen Besten wegen, zu einer beständigen Unmündigkeit verurteilt.“ Dieses innere Hemmnis kommt uns das doch irgendwie bekannt vor.

Wir besitzen aber auch einen ursprünglichen Imupuls des anschaulichen Lebens. Dieser Impuls umschließt nicht nur das Staunen, sondern ebenso das Zweifeln. Die aus Staunen und Zweifeln geborene Nachdenklichkeit mit Reflexion und Selbstreflexion. Sie äußert sich als Wahrhaftigkeit im Sprechen, als Ernsthaftigkeit im Denken, als Gewissenhaftigkeit im Handeln, als Heiterkeit im Erspüren und Erschauen des Schönen in der Welt.

Viele Menschen wollen in dieser unsicheren und wandelvollen Zeit Authentizität. Sie haben eine wachsende, wenn auch oft konfuse Sehnsucht nach allgemeinmenschlichen Idealen, nach unmittelbarer Begegnung mit dem „Anderen“ und nach einer direkten Sprache. Sie haben Sehnsucht nach der begründeten Einheit von Idee und Tat. Sie haben, kurz gesagt, Sehnsucht nach einem echten, pluralitätsfähigen Ideenrealismus. Wie finden wir also einen Weg, Pluralismus und Idealismus miteinander zu verbinden?

Dieses sind Fragen der Moral. Aber was bedeutet das? Im wesentlichen doch wohl ein Sprechen über das, was getan werden soll, und das, was nicht getan werden darf; im Grunde also ein Nachdenken über die verschiedenen Formen der Achtung des Anderen, wobei wir selbstverständlich stets immer auch der jeweils Andere sind: den Anderen nicht benutzen, ihn nicht wie eine Sache behandeln, ihm nicht grundlos Unrecht zufügen usw. Die Moral ist dann von Bedeutung, wenn es an ihr mangelt, weil sie die Bedingung für ein friedliches und zivilisiertes Zusammenleben darstellt.

Ohne kritischen Einspruch, ohne das Engagement unbequemer Denker verkümmert eine Gesellschaft. Wir brauchen Streit und Widerspruch, wir brauchen die Zumutungen und Fragen unabhängiger Köpfe.“ sagte der Altbundespräsident Roman Herzog, .

Alles geht vom Menschen aus und führt zum Menschen zurück. Dies ist die Suche nach Lebensqualität und Sinn: Trennendes überwinden, Gegensätze abbauen, Verständigung suchen, Mitverantwortung übernehmen, Brücken bauen, Zivilcourage zeigen. Mutig streiten gegen Chauvinismus und Dogmatismus. Empathisch sein, Anteil nehmen am Schicksal Anderer. Standesdünkel bekämpfen, Vorurteile nicht zulassen. Offen sein für das Gespräch. Redlich und anständig sein. Das kann man wollen, das kann man lernen, das kann man miteinander einüben, das kann man tun.

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