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Ich sitze morgens auf der Stange und höre kopfschüttelnd meinen Geschwistern zu. „Mir ist langweilig.“ wird gegackert. „Ist mir doch egal.“ kommt die Replik. Oh heilige Hühnerschar! Der Tag hat noch nicht angefangen, schon ist er beendet. Wir könnten so viel anfangen, so viel machen. Den Hof durchstöbern, unter den Büschen kratzen, ein Ei legen. Aber nein, den Damenschaften ist langweilig. Sie sind völlig desinteressiert an allem, was sie umgibt. „Kinder! Es wird Frühling!“ Aber lähmend ist ihre Teilnahmslosigkeit und Passivität. Ich glaube: Genau das ist Die Sünde wider den Heiligen Geist.

Das gesamte Universum ist seit Beginn schöpferisch tätig. Es bringt zusammen, schafft und formt ganz wie es will. Alles ist stets im Fluß. Transformation ist Gesetz. Unsere Erde brachte so viel hervor, in unerschrockenem, unablässigen Bemühen. Wunderbare Welt! Und in jedem Augenblick des Werde und Vergehen ist ein Neues da, das zum Lebendigen sich entwickelt. Panta rhei (altgr. πάντα ῥεῖ „alles fließt“) wie Heraklit es formuliert.

Auf dem Konzil von Nicäa im Jahr 381 wurde die Stellung des Heiligen Geistes so formuliert: „Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht,…“ In diesem Satz ist die verborgene, aber lebendige Kraft benannt, der als Heiliger Geist uns allen innewohnt und treibt. Wenn es auch um Liebe geht, die Früchte trägt, dann jene Liebe, die aus Anteilnahme allem wohlgesonnen und hilfreich zur Seite steht. Die Zugewandtheit, die Gesellschaften organisiert, daß Harmonie, Gerechtigkeit und Glück ihren Platz darin finden. Soziale Empathie, die der Not nicht den Rücken kehrt.

Nein, es geht nicht darum, alles richtig zu machen, immer gerecht, immer verbindlich, immer freundlich zu sein. Wichtig ist stets die Anteilnahme. Mit offenen Augen durch die Welt gehen, neugierig sein, Interesse zeigen. Seinen Teil beitragen; tun, was zu tun ist oder was man zu tun glaubt machen zu müssen. Das kann auch schief gehen. Auch in die falsche Richtung. Erwachsen werden heißt: Fehler machen – und daraus lernen. Die Offenbarung Johannes 3, 15 heißt es darum ganz richtig: „Du bist weder kalt noch heiß. Wärest du doch kalt oder heiß! Weil du aber lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Munde ausspeien.“ Ja, man kann auch großen Mist machen, mit Herzblut in die Bresche springen oder sich kühl und klar positionieren. Aber so Waschlappig sein mag man in den Himmeln nicht. Eklig allein ist der Mann ohne Eigenschaften, der seinen schöpferischen Impuls brach liegen läßt. Tu etwas! Verdammt noch mal! Zeig Flagge. Sei sichtbar. Gestalte mit. Baue mit. Das Gesetz des Karma bezieht sich auf genau das: Schafft eine Welt und ihr werdet in ihr leben.

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Meine Hühnerschwestern schauen mich an. „Das kannst du den Menschen erzählen, die sich einen feuchten Kehricht um den Zustand ihrer Welt, ihres Umfeldes scheren. Wir gehen jetzt in’s Nest und legen ein, zwei, drei wunderhübsche Eier als unseren schöpferischen Beitrag. Kannst ja mal schauen, was alles daraus wird...“ Ach meine süßen Hühnergeschwister….

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