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Hühner sind Fremdenfeindlich. Wir picken alles weg, was wir nicht kennen, was wir nicht mögen. Letztes Jahr war es mal wieder so weit. Der Fuchs holte sich aus unserer Schar jedes Wochenende ein Huhn. Flugs bekamen wir 5 neue Hühner in unseren Hof. Selbstverständlich ist das unser Hof und es kann nicht jedes Huhn kommen, gerade wie es will. Es gibt schließlich eine Hof- und Hackordnung. Und wir hacken die Eindringlinge fort. Nein, da sind wir nicht friedlich.

Was tun?“ fragte sich unser Hofherr. Er mochte doch einen friedlichen Hof. Er wollte, daß sich die neuen Hühner schnell integrieren. Integration im Sinne von integrare = erneuern, ergänzen, geistig auffrischen, nicht im Sinne von „anpassen„. Jedes Huhn, welche Rasse auch immer, sollte machen können, was es wollte, bleiben können, was es ist, jedoch im friedlichen Miteinander auf dem Hof scharren, picken, Eier legen.

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Es gibt da einen Trick, wie Züchter das bewerkstelligen. Wir Hühner erkennen uns ja auch am Geruch. Abends, wenn wir müde und weniger angriffslustig sind, nehmen sie Essigwasser und besprühen uns im Schlaf mit einer Pflanzenspritze, um dem gesamten Bestand einen einheitlichen Geruch zu verpassen. Morgens riechen wir alle gleich, haben uns im Schlaf an den Geruch gewöhnt. Und schon haben es die Neuankömmlinge viel leichter mit uns Alteingesessenen.

Ich denke, was auf dem Hühnerhof funktioniert, kann auch im menschlichen Umfeld funktionieren. Ich will es einmal so sagen. Hühner resp. Menschen leben mit ihren kulturellen Eigenheiten, mit herkömmlichen Gewohnheiten. Natürlich ist es immer wieder ein Kulturschock, wenn beispielsweise ein Ostfriese oder jemand aus Kenia in Stuttgart auf die Kehrwoche trifft. Aber darum geht es nur nebensächlich. Es ist dieser Essigwassergeruch, der gleichsam wie eine Decke uns in unserer Unterschiedlichkeit umhüllt. Dieses Essigwasser wäre in jenem Fall das Grundgesetz, eine Decke, unter der man gemeinsam und friedlich leben könnte. Wenn man sich etwa auf Artikel 1 verständigt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ wäre manches gewonnen. Ebenso wie Artikel 3: (1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. (2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Bei all dem Ärger, der im Zwischenmenschlichen Unverständnis liegt, könnte man, dies zugrunde gelegt, respektvoll miteinander umgehen. Und wenn man noch zur Decke ein Kissen wollte, wäre die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ein gutes Lager. Artikel 1: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.

Den Menschen reichen ihre jahrhundertelangen Bestrebungen um Humanität und Toleranz immer noch nicht. Bei uns Hühnern geht das Miteinander glücklicherweise Ruck-Zuck.

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