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Dieses Facebook ist total verklemmt!“ grummelt er.
Ich bin froh, daß uns Hühnern das erspart bleibt.“ gluckse ich zurück.
Manchmal habe ich das Gefühl,“ meint er, „daß Haßpostings zum gemeinsamen Facebookstandard gehören. Und dann wieder wundere ich mich, wenn harmlose Nacktbilder gelöscht wurden. Das paßt nicht.“

Er nimmt sein Smartphone und zeigt mir eines der zensierten Bilder. Na, wir Hühner haben da aber hübschere Federn.

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Ich frage mich, warum die Amis das Natürliche ablehnen, aber Künstliches wie etwa Totschießgeräte lieben.
Sie verstehen ihre Religion nicht.“ Wir Hühner wehren uns zwar auch gegen nackte Hähnchen – aber ausschließlich aus ästhetischen Gründen.

Religiöse schleppen das schwere Paket der Erbsünde mit sich herum; die lauernde Aufforderung, stets mit Schürzen aus Feigenblättern ihre Nacktheit zu bedecken. Traurig an der Geschichte ist nur, daß sie nicht verstanden, was damals tatsächlich geschah.

Wir befinden uns in paradiesischen Zuständen. Adam hängt rum, er ist ein desinteressierter Langweiler. Deshalb hat sich auch seine erste Frau Lillith aus dem Staub gemacht. Langeweile entsteht, weil er die Zukunft nicht denken kann. Nur ab und zu wird er ganz rappelig. Gott hat beide Menschen als Mann & Frau geschaffen. Da wird der Natur Raum gelassen. And surprise! Eva, trug mit einem Mal die Frucht ihres Leibes durch Eden. Das überrascht jetzt wohl den Leser mosaischer Schriften. Denn er erinnert sich an die eine Frucht, welche die große Katastrophe nach sich zog.

Nun, die erwähnte Frucht wächst am Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Sich die Frucht einzuverleiben ist ein Insidejob. Zu wissen, was richtig, was wichtig ist, Prioritäten zu setzen und kein anderer soll „Nein“ sagen. Hier liegt der Anfang dessen, was wir Verantwortungsethik nennen. Der Grund ist naheliegend: die Sorge um das Kind, die Frucht des Leibes. Dazu wird gesagt, man werde Adam „eine Gehilfin machen, die ihm entspricht!“ Diese Entsprechung ist das Gegenstück, ist Gleichheit, Übereinstimmung, Kongruenz, Harmonie, Einklang. Wir können uns die Sorge und das Kümmern als ein Gemeinsames vorstellen. Was allerdings aus dieser Gleichheit aus männlichem Dünkel geworden ist, ist außerordentlioch schäbig und völlig indiskutabel.

Was die Schlange mit Eva anstellte, vor allem, wer die Schlange war, mag man sich bildhaft vorstellen. Daß allerdings auf den Augenöffner eine plötzliche Scham einsetzt, weil man nackt ist, ist absurd. Was stets in Ordnung war wird nicht plötzlich zur verschämten Unordnung. Für Scham gibt es keinen Grund. „Wie doch nichts abenteuerlich ist als das Natürliche und nichts groß als das Natürliche.“ schreibt Johann Wolfgang von Goethe.

Sich zu bedecken, dafür gäbe es möglicherweise eine Begründung. Wie hatten die Götter gesagt? „Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner, insofern er weiß, was gut und böse ist...“ Der Mensch kann Entscheidungen treffen, die aus ihm selbst begründet sind. Er ist nicht mehr abhängig von göttlichen Geboten, sondern kann sich dem Lebensfeld angemessen nähern, sich in ihm bewegen, Wissenschaft entwickeln, lernen. Der Mensch nimmt sich selbst in Beschlag, grenzt sich ab, zeigt durch Kleidung und Schmuck, wie er sich sein Ich selbst erschafft. Das ist die Sünde: er wird zum denkenden, selbstbestimmt handelnden Individuum. Götter mögen soetwas nicht wirklich. Was daraus resultiert ist Religion.

Und – worin hast du heute gesündigt?“ frage ich.
Daß ich dir dein Ei geklaut habe.
Ich schenke dir doch jeden Tag eines!
Wir sehen uns an und lachen …

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