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Wenn wir uns fragen, ob Toleranz Grenzen hat – und diese Frage wird oft in recht ärgerlichem Ton gestellt – dann kann man nur „Ja“ sagen. Dies aber nur, wenn man selbst tolerant ist. Toleranz setzt allerdings voraus, daß man einen Standpunkt hat, von dem aus die Welt betrachtet und bewertet wird. Von daher sind auch jene Grenzen der Toleranz definiert.

Man mutet uns gerne das Bonmot von Friedrich II. zu, der bemerkte, daß „bei ihm ein jeder nach seiner Faćon seelig werden“ könne. Das riecht geradezu nach Toleranz, ist es aber in Wirklichkeit nicht. Der Alte Fritz hatte im Grunde genommen keinen besonderen Standpunkt, auf den sich sein Auspruch beziehen konnte. Das warf ihm Voltaire ebenso vor. Friedrich II hatte zwar sehr dezidierte eigene Interessen, aber ansonsten pflegte er seine adlige Gleichgültigkeit.

Gleichgültigkeit im Sinne von „Alles ist gleich gültig“ hat keine Wurzeln in einem humanistischen Wertesystem. Sie gibt dem Mordpöbel, der verletzt, das gleiche Recht wie dem Rettungssanitäter, der dem Verletzten zu Hilfe eilt, der Beleidiger ist dem Beleidigten gleich. Wer allerdings einen Standpunkt hat, wer daher Grenzen des Erträglichen ziehen kann, nur der kann tolerant sein. Nur der weiß, was er noch klaglos erdulden mag. Laßt uns also nicht den Begriff „Toleranz“ überstrapazieren, laßt uns nachdenken und darüber sprechen, welches unsere Werte sind.

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